Pferd und Reiter
Zu Marlie kommen Pferde und Reiter aus ganz Europa. Viele haben Stürze und Wunden hinter sich, fangen bei ihm wieder vorne an. Das soll ich auch. „Was ist dein Problem?" fragt Sascha. „Ich kann so schlecht Trab aussitzen", gebe ich vor. „Mußt du das denn?" Eigentlich hat er recht. Warum soll ich mich quälen, in schweißtreibenden Reitstunden auf unbequemen Pferden? „Weil die FN es verlangt", antworte ich wachsweich auf Saschas Frage. Er schmunzelt und will sich meinen Sitz anschauen.
Später throne ich auf Juniora, einer riesigen schwarzen Holländerstute. „Laß erstmal die Zügel lang, schlag die Bügel über und fühl dich ein", sagt Sascha.
Juniora kreist brav in der einen Hälfte der Halle, die mit einem Seil abgeteilt ist. Dort sitzt Sascha und paßt auf mich auf. In der anderen Hälfte unterrichtet Wolfgang Marlie. Nach ein paar Runden nehme ich die Bügel auf und trabe leicht. Anfangs finde ich Junioras Rhythmus nicht und kippe mit dem Oberkörper nach hinten. Sascha hilft: „Du hast die Hacken zu tief." Wie bitte? Ungläubig starre ich ihn an. Seit Jahren höre ich im Unterricht immer wieder „Hacken runter".

Sascha erklärt: „Wenn die Fersen zu tief sind, kippt dein Gewicht nach hinten. Stell dir besser vor, du stehst auf den Fußspitzen. Dann wird deine Sohle gerade, und du kannst dich mehr ausbalancieren." Zum Üben trabe ich im leichten Sitz und bleibe ein paar Tritte lang
über Junioras Rücken stehen, bis ich meine Balance gefunden habe. „Wenn du unsicher wirst, stell dir vor, du hast eine Erdbeere zwischen Bein und Sattel. Die mußt du mit dem Knie festhalten, darfst sie aber nicht zerquetschen." Mein Sitz wird immer stabiler. Endlich mal ein Lehrer, dessen Wortschatz über übliche Plattitüden hinausgeht.

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