In der Reithalle, auf Pascha, heißt es dann wieder: Sitz ausbalancieren, ein imaginäres Buch auf dem Helm packen, Atmen nicht vergessen. Gleichzeitig Impulse setzen für Start, Tempo, Kurven, Stopp, wohl dosiert, aber nachdrücklich wie ein Leithengst. Frau Reger hält sich zurück mit "richtig" oder "falsch". Sie liefert Erklärungen und Hilfen: "Fühlen müssen Sie schon selbst!" Momentan merke ich eher, was Pascha spürt: Dass ich, um ihn zu bremsen, wieder am Zügel gezerrt habe statt Druck aufzubauen. Ich lasse ihn einfach laufen und lenke ein bisschen. Pascha rollt über mehrere Runden aus. Christine erlebt mit Baronesse gerade das Gegenteil: Die bleibt in jeder Ecke unaufgefordert stehen. Enttäuschung lässt Frau Reger nicht gelten. Wer sich ein Pferd wünscht, dass immer funktioniert, solle sich lieber einen elektronischen Hund anschaffen, der auf Knopfdruck bellt und pinkelt. "So ein Pferd gibt es nicht. Versuchen Sie nicht, ohne Fehler zu reiten, das verkrampft nur. Fehler macht jeder, sogar Herr Marlie!"
Donnerstagnachmittag reist meine Tochter an. Johanna inspiziert die Ställe und nickt wohlwollend: Schlanke, gepflegte Pferde, gutes Sattelzeug, saubere Boxen, kein Pferdekitsch. Herr Marlie setzt noch eins drauf; er schenkt seinen Gästen eine Demonstration in der Reithalle, im Duett mit Wildfang, einem Pferd, dass vor Jahren bei ihm als hoffnungsloser Fall abgestellt wurde. überhaupt sind die meisten Pferde bei ihm, weil ihre früheren Besitzer oder Ausbilder aus den verschiedensten Gründen nicht mehr mit ihnen zurechtgekommen sind.
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